Evangelisches Bildungswerk München e.V.

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Freiheit im Islam

Referent
Abdel-Hakim Ourghi, Religionsphilosoph, Leiter des Fachbereichs
islam. Theologie an der Päd. Hochschule, Freiburg, Autor.

Thesen aus dem Vortrag
Abdel-Hakim Ourgi unterscheidet zwischen dem politischen und dem humanistisch-ethischen Koran.
Den „politisch“ genannten Teil des Koran ist zeitbedingt und kann nur historisch verstanden werden.
Der ethische Koran ist zeitlos und mit Aufklärung und westlichen Werten gut zu vereinbaren, er enthält die Anerkennung anderer monotheistischer Religionen.
Islam. Gelehrte, die die Freiheit im Islam einschränken wollen, negieren (fälschen) im Koran enthaltene humanistischen Werte
Islam ist eine Religion der Freiheit im Glauben, im Denken und im Handeln.
Freiheit des muslimischen Individuums und Autonomie ist ein unverzichtbarer Grundsatz im Islam.
„Reform des Islam“ will den Weg ebnen zur Freiheit des Individuums ebnen.
Der Islam, wie er sich zur Zeit zeigt, muss modernisiert, reformiert werden.
Zu Gott gehört Gerechtigkeit; zum Menschen gehört Freiheit.
Begründung: Gott fordert Gehorsam – das setzt Freiheit voraus, z.B. Sure 2,178; 3,35; 18,29; 41,46
Vielfalt der Meinungen und Arten des Glaubens/Nichtglaubens ist von Gott gewollt. Sure 5,48;6,35
Gott schafft/ist die Einheit, in der die verschiedenen Menschen zusammen kommen.
Koran und Tradition des Propheten sind Teil eines freien Verstehensakts. Dieser ist nicht abgeschlossen, also können und sollen sie aus heutiger Sicht reflektiert und interpretiert werden.
Glaube ist eine individuelle Angelegenheit zwischen Gott und einem Menschen, niemand steht zwischen den beiden. Sure 2,256.
Der politische Koran hatte die Aufgabe, die Gemeinde, die ab 622 in Medina entstand, zu organisieren. Seine Aussagen müssen auf diese Situation bezogen verstanden werden, sind also zeitbedingt. Sie sind keine Grundlage für die Frage nach der Freiheit im Islam.
Hier können Sie den ganzen Vortrag von Abdel-Hakim Ourgi ansehen
zum Vortrag

Zusammenfassung der anschließenden Diskussion
In der folgenden Diskussion ging es um Fragen und Anmerkungen zu zwei Themenbereichen:
Wie kann die Reform des Islam, mit einer Ausrichtung auf den ethischen Koran gestärkt und gleichzeitig der Einfluss des politischen Islam eingedämmt werden?
Und: wie kann, wie sollte sich ein liberaler, aufgeklärter Islam in Deutschland organisieren?
Um den Einfluss des politischen Islam und der Vertreter ausländischer Interessen auf muslimische Gemeinden in Deutschland zu reduzieren, fordert Abdel-Hakim Ourghi, finanzielle und personelle Unterstützung aus dem Ausland zu unterbinden. Imame und Religionslehrkräfte müssen in Deutschland auf der Grundlage eines liberalen, aufgeklärten Islam ausgebildet werden. Die Finanzierung von Gemeinden, auch beim Bau einer Moschee, sollte über eine Steuer erfolgen, nicht über Geldgeber aus dem Ausland.
Bei allen Entscheidungen über das muslimische Leben in Deutschland, z.B. im Religionsunterricht oder bei rechtlichen Fragen sollten die Vertreter der sog. Dachverbände deutlich weniger Mitspracherecht erhalten, da diese Dachverbände nur 15 % der Muslime in Deutschland vertreten.
Wie sich ein liberaler Islam in Deutschland organisieren soll, das kann Abdel-Hakim Ourghi derzeit nicht absehen. Unmöglich wäre eine einfache Übertragung der kirchlichen Strukturen auf islamische Gemeinschaften. Sinnvoll findet er den Dialog vor Ort unter den dort lebenden Gemeinden verschiedener Religionen. Er sagt: um eine gemeinsame muslimische Struktur in Deutschland aufzubauen, brauchen wir zuerst eine „kritikfähige Aufklärung des Islam, seiner kanonischen Quellen und seiner Geschichte.“

Hier finden Sie eine Zusammenfassung der anschließenden Diskussion von Pfrin. Dagmar Knecht
zur Zusammenfassung

Hier finden Sie das PDF über die gesamte Veranstaltung:

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