Evangelisches Bildungswerk München e.V.

Freiheit im Islam

Bildquelle: Abdel-Hakim Ourghi (priv.)



Referent
Abdel-Hakim Ourghi, Religionsphilosoph, Leiter des Fachbereichs
islam. Theologie an der Päd. Hochschule, Freiburg, Autor.

Hier finden Sie den Vortrag von Abdel-Hakim Ourgi bei Youtube
Hier finden Sie eine Zusammenfassung der anschließenden Diskussion von Pfrin. Dagmar Knecht bei Youtube
Hier finden Sie das PDF über die gesamte Veranstaltung

Thesen aus dem Vortrag
Abdel-Hakim Ourgi unterscheidet zwischen dem politischen und dem humanistisch-ethischen Koran.
Der „politisch“ genannten Teil des Koran ist zeitbedingt und kann nur historisch verstanden werden.
Der ethische Koran ist zeitlos und mit Aufklärung und westlichen Werten gut zu vereinbaren, er enthält die Anerkennung anderer monotheistischer Religionen.
Die Freiheit des muslimischen Individuums und seine Autonomie ist ein unverzichtbarer Grundsatz im Islam. Die „Reform des Islam“ will den Weg dahin ebnen.
Der Islam, wie er sich zur Zeit zeigt, muss modernisiert, reformiert werden.
Glaube ist eine individuelle Angelegenheit zwischen Gott und einem Menschen, niemand steht zwischen den beiden.
Der politische Koran hatte die Aufgabe, die Gemeinde, die ab 622 in Medina entstand, zu organisieren. Seine Aussagen müssen auf diese Situation bezogen verstanden werden, sind also zeitbedingt. Sie sind keine Grundlage für die Frage nach der Freiheit im Islam.

Zusammenfassung der anschließenden Diskussion
In der folgenden Diskussion ging es um Fragen und Anmerkungen zu zwei Themenbereichen:

- Wie kann die Reform des Islam, mit einer Ausrichtung auf den ethischen Koran gestärkt und gleichzeitig der Einfluss des politischen Islam eingedämmt werden?

- Und: wie kann, wie sollte sich ein liberaler, aufgeklärter Islam in Deutschland organisieren?

Um den Einfluss des politischen Islam und der Vertreter ausländischer Interessen auf muslimische Gemeinden in Deutschland zu reduzieren, fordert Abdel-Hakim Ourghi, finanzielle und personelle Unterstützung aus dem Ausland zu unterbinden.
Bei allen Entscheidungen über das muslimische Leben in Deutschland sollten die Vertreter der sog. Dachverbände deutlich weniger Mitspracherecht erhalten, da diese Dachverbände nur 15 % der Muslime in Deutschland vertreten.
Wie sich ein liberaler Islam in Deutschland organisieren soll, das kann Abdel-Hakim Ourghi derzeit nicht absehen. Unmöglich wäre eine einfache Übertragung der kirchlichen Strukturen auf islamische Gemeinschaften. Er sagt: um eine gemeinsame muslimische Struktur in Deutschland aufzubauen, brauchen wir zuerst eine „kritikfähige Aufklärung des Islam, seiner kanonischen Quellen und seiner Geschichte.“

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